Körpereingabe

Abbildung 13-5. DataSuit

Eine der Ziele der Virtuellen Realität ist die Möglichkeit zu schaffen, mit seinem gesamten Körper in den Cyberspace einzutauchen. Da ist es natürlich nicht ausreichend nur eine einzelne Hand darzustellen bzw. zu bearbeiten. Für das vollständige eintauchen, muß also der gesamte Körper des Benutzers erfaßt werden. Das heißt, der Computer muß erkennen, wo der Mensch im Raum steht, was seine Arme tun, wie sein Gesichtsausdruck ist, wie er sich bewegt usw. Die dafür notwendige Forschung hat schon vor Jahren begonnen, aber es sind erst seit kurzem Marktfähige Systeme zu kaufen.

Bereits in den 70er Jahren hat sich Myron Kreuger über das Thema Körpererkennung Gedanken gemacht. In seinem Buch Artifical Reality hat er erkannt, daß man solche Systeme zur Erfassung des ganzen Menschen brauchen würde. Man sieht also, daß das Thema Körpererkennung nicht erst in den letzten 5 Jahren aufgekommen ist.

Bei VPL Research hat man die Körpererkennung in die Produktentwicklung aufgenommen und den DataSuit konstruiert. Im DataSuit kommen die gleichen faseroptischen sensorischen Kabel zum Einsatz, die wir schon vom DataGlove kennen. Das Prinzip ist das Gleiche, nur haben wir es beim gesamten Körper mit weit aus mehr Gelenken zu tun als nur bei einer einzelnen Hand. Beim DataSuit werden bis zu 50 Gelenke am ganzen Körper vermessen: die Knie, die Arme, der Rumpf und die Füße. Zusätzlich hat der Anzug noch vier Ortungssysteme: je eines an jeder Hand, auf dem Kopf und auf dem Rücken.

Es gibt mehrere Gründe weshalb der DataSuit noch nicht für die kommerzielle Nutzung reif ist. Es ist nicht nur die Unbequemlichkeit, die dazu führt, daß viele den Anzug als unzumutbar empfinden, auch die Einstellung der Rahmendaten ist noch sehr komplex. Man sieht also, das es noch ein großes Verbesserungspotential gibt.

VPL Research hat deswegen den Anzug für eigene Forschungszwecke benutzt und gleichzeitig ein paar Dollar an Leihgebühren kassiert. So wollte beispielsweise die Animatoren eines Hollywoodfilms ihren Grafikcomputer mit genauen Daten über das Bewegungsmuster eines Menschen füttern. VPL Research steckte daraufhin einen Menschen in den Anzug und ließ ihn ein bißchen herumlaufen. Währenddessen zeichnete ein Computer alle Daten auf, die von den Sensoren erfaßt wurden. Mit Hilfe dieser Daten konnte der Computer später menschenähnliche Bewegungsabläufe ohne weiteres nachbilden.

In der Virtuellen Realität könnte der DataSuit – oder ein vergleichbares System – für nonverbale Kommunikation oder komplexe Robotereinsätze nützlich sein. Weil verschiedene Körperteile unabhängig aufgezeichnet werden, könnte man beispielsweise mit dem Fuß ein System steuern, könnte eine bestimmt Körperhaltung den Rechner zum Szenenwechsel veranlassen oder ein Kopfnicken die Roboterarme in Bewegung setzen. Das hört sich vielleicht schwierig an, aber in Wirklichkeit ist das alles nur eine Frage der Zeit, bzw. Übung.