Ein Mikrochirurgiesystem

Bei Zellimplantaten muß man mit einer Genauigkeit größer 10 µm arbeiten. Doch ein guter Mediziner kann höchstens auf 0.5 mm genau arbeiten. Also muß ein neues System her, die roboterunterstützte Chirurgie. Hierfür braucht man auch ein gutes Bediensystem, nämlich die VR. Ein "Mensch-Maschine-Interface", welches visuelle Orientierung und "motion Feedback" bietet, ist gefordert.

Eine Art, um die scheinbare Anwesenheit eines Mediziners vor Ort zu simulieren ist, dessen Sinne durch real wirkende, aber künstlich erzeugte Reize anzuregen.

Um nun die "Roboter"-Bewegungen auf einen Mediziner zu übertragen, gibt es verschiedene Ansätze:

Das Fraunhofer-Institut hat das sog. "Operating Cockpit" entwickelt. Hier sitzt der Mediziner in einer ergonomischen Position und bekommt eine Bewegungsrückführung ("motion feedback") über die Bewegungen seines Sitzes.

Abbildung 4-8. Operationscockpit

Die Hauptbestandteile dieses Systems:

Dieses Cockpit kann unter sterilen Bedingungen benutzt werden, deshalb kann ein Benutzer auch mit einen Touchpad arbeiten.

Der Benutzer kann hierbei verschiedene Parameter mittels eines visuellen Schiebereglers einstellen und diverse Instrumente auswählen.

Anmerkung: Normalerweise will man immer Systeme mit wenig Parametern (einfacher zu handhaben). Doch in der Medizin wird ein vielparametrisches System natürlich akzeptiert, denn ein med. System ist um einiges komplizierter als ein Home-PC.

Ein Joystick, welcher nicht selbständig in die 0-Stellung zurückkehrt, dient zur Steuerung.

Im gegenwärtigen Prototyp dient dieser Joystick der Gebiets-Vorauswahl. Der Mediziner wird hierbei übrigens informiert, wenn er den Roboter aus dem Arbeitsbereich fährt oder wenn er die anatomischen Grenzen überschreitet.

Wählt der Benutzer nun also ein neues Arbeitsgebiet (Region), so wird der Roboter an diese Stelle des Körpers gefahren, und der Arbeitsplatz des  Mediziners wird ebenfalls an die neue Arbeitstätte angepasst.

Um eine realistische Wirkung des virtuellen Arbeitsplatzes zu erreichen , muß die Bewegung des Endoskops direkt auf die Bewegung des Cockpits übertragen werden.

Dazu sind folgende Schritte notwendig:

  1. Verarbeitung der Eingabekommandos

  2. Feststellen, ob diese Kommandos möglich sind (richtige Eingabe)

  3. Erzeugung der Bewegung des Anzeigesystems

  4. Transformation in Koordinaten des Cockpits

  5. Begrenzung der Bewegung

  6. Überprüfung, ob die Bewegungen ausgeführt werden können (Bereichsüberprüfung)

  7. Erzeugung der Bewegung fürs Cockpit

Um die Steuergrößen in realistische Bewegungen umzusetzen, wird übrigens ein sog. "Washout-Filter" benutzt. Hinter diesem Filter steckt eine mathematische Gleichung, welche für Flugsimulatoren entwickelt wurde.

Bei dem oben beschriebenen System sorgt eine Silicon Graphics Workstation für die Transformation der Daten, und ein handelsüblicher PC erzeugt die Koordinaten und nimmt das "Washout" vor.