Gerade in diesem Bereich ist die VR sehr wichtig. In den letzten Jahren haben sich einige neue medizinische Aspekte aufgetan. Das hat zur Folge, daß altbewährte und erfahrene Mediziner, z.B. Chirurgen, neu lernen müssen. In den Bereichen der minimalinvasiven Chirurgie und der Neurochirurgie wird es wohl kein auch noch so guter Mediziner wagen, ohne Übung ans Werk zu gehen. Und hier kommt nun die virtuelle Realität zum Einsatz. Das Risiko wird vom Patienten weg auf einen Computer übertragen. In einem virtuellen OP bekommt der Arzt einen 3-Dimensionalen Körper gezeigt, und seine Bewegungen werden auf dieses Bild übertragen.
KURZ : Am virtuellen Patienten lassen sich komplizierte Eingriffe trainieren und vorbereiten
Ein System, welches sowohl für die Lehre über die Organe wie auch für praktische Übungen eingesetzt werden kann, ist das Green Telepresence Surgery System. Es besteht aus 2 Teilen, einer Art Workstation und einer entfernten Station mit 3-D Kamera und einem Aktor mit Sensoren.
Unter Zuhilfenahme eines Helmdisplays und eines Datenhandschuhes kann der Benutzer quasi durch einen menschlichen Körper fliegen und so über die Organe Informationen bekommen. Außerdem kann er auf dieser Art auch praktische Übungen durchführen, wie z.B. das Anbringen von Klammern oder die Skalpellhandhabung.
Dieses System kann auch der Operationsvorbereitung dienen. Der Arzt kann hier detalliert einzelne Schritte planen und im virtuellen Raum durchspielen. Außerdem kann ein Radiologe sehr genau das Ziel für eine Bestrahlung festlegen.
Dr. Joseph Rosen von der Dartmouth University hat für Gesichtschirurgen ein VR-Modell eines menschlichen Gesichtes entwickelt. Dieses Modell ist deformierbar und erlaubt so dem Chirurgen, praktische Übungen und Versuche durchzuführen. Außerdem kann man so das Resultat einer Operation vorher simulieren. So kann vermieden werden, daß man einem Menschen unnötige Entstellungen zufügt.
Dr. Scott Delph hat ein Modell des menschlichen Fußes entwickelt. So kann man Sehnentransplantationen im virtuellen Raum durchführen und anschließend das Bein "laufen" lassen. So können die Kurz- und Langzeitfolgen solch einer Operation simuliert werden.
Am Brigham Woman's Hospital entwickelte Dr. Antobeilli ein System, welches Kinder mit Gesichtsdeformationen (Knochenkrankheit, nur eine Gesichthälfte betroffen) helfen soll. Hierzu fertigt man ein 3D Abbild des Gesichtes an. Der Computer errechnet dann anhand der gesunden Gesichtshälfte, wie der Kranke operiert werden muß. Der Arzt kann danach solange im virtuellen Raum üben, bis er die nötigen Operationsschritte beherrscht.
Hat ein Patient einen Gehirntumor, so kann dieser oft sehr schlecht geortet und behandelt werden, vor allem wenn er im inneren des Gehirnes liegt. Am Brigham Woman's Hospital wurde hierzu eine Methode entwickelt, um diesen Tumor in einem 3D-Bild darzustellen. So kann nun ein Radiologe eine genaue Dosierung für eine Strahlenbehandlung berechnen, welche den Tumor schädigt, das gesunde Gehirn aber nicht verletzt.