Soziologische Risiken

Die Gefahr, die innere Struktur unserer Gesellschaft zu erschüttern, ist durch die Verbreitung internationaler Datennetze immer größer. Mit den gigantischen Computernetzen können die gleichen Interessen unabhängig von Hautfarbe und Kultur zwischen den Computerbenutzern in der Welt gefunden werden. Dabei könnten Parallelwelten entstehen, die als eine Konkurrenz für die reale Welt betrachtet werden können.

Nachfolgend werden die Aspekte für die angesprochene Problematik näher erläutert.

Veränderte Sozialisation

Im Vergleich zur Realität bietet die modernen Datennetze zahlreiche Kommunikationsmöglichkeiten an, bei denen die Kommunikationspartner mit gleichen Interessen auf verschiedenen Ebenen häufig zueinander finden können. Dies führt zur Idealisierung des Zerrbildes eines virtuellen Kommunikationspartners, dessen Äußerlichkeit und negative Eigenschaften sich leicht verbergen lassen.

Als Beweise für diese Befürchtung kann man erkennen, daß heutzutage die Pflege von virtuellen Partnerschaften, die durch Kommunikation mit VR in Netzen zustande gekommen sind, intensiv und bedeutend geworden ist. Die Ausweitung solcher virtueller Kommunikationsarten ist nach der Meinung einiger Beobachter in Zukunft sicherlich noch größer.

Anarchie

Bis jetzt gibt es keine einheitlichen Regelungen oder zuständige internationale Organisationen für weltweite Computernetze. Dieser anarchische Zustand ermöglicht die Entstehung neuer Kriminalität, welche durch die Verschlüsselung von Information und die Austauschbarkeit der Identität unterstützt wird. Die neuen Formen der Kriminalität könnten virtuelle Steuerparadiese, Spielbanken, sowie sexueller Mißbrauch (Pornographie) sein. Damit läßt sich der Schutz von Daten und Jugend in diesem rechtsfreien Raum nicht mehr garantieren.

Um den Mißbrauch in den weltumspannenden Netzen zu bekämpfen müßte eine internationale Gemeinschaft gebildet werden, welche die Judikative bzw. Exekutive für die breiten Datennetze übernimmt. Diese Organisation müßte aus den verschiedenen Staaten, die an die weltweiten Computernetze angekoppelt sind, entstehen.

Verarmung

Nicht nur in den ärmeren Ländern sondern auch in den Industrienationen sind die Spalten zwischen Reich und Arm im Bereich des Computers deutlich erkennbar. Wer viel Geld besitzt, kann die Technologie für sich nutzen, während die anderen aus finanziellen Gründen oder wegen fehlendem Grundwissen von der Informationsgesellschaft von Anfang an ausgeschlossen sind.

Manipulation

Die Manipulation von Daten resultiert aus dem anarchischen Zustand der verbreiteten Computernetze. Nicht nur Kriminelle sondern auch der Staat können die Daten mißbrauchen, um wirtschaftliche bzw. politische Interessen auszuüben. Dies führt zu der Veränderung der Macht- und Wirtschaftsstrukturen unserer Gesellschaft.

Sprachverlust

Neben den angesprochenen Problemen, die durch zunehmende Verwendung der elektronischen Medien verursacht sind, kann nach Ansicht von Experten die Rationalisierung der Alltagssprache in den VR-Anwendungen als weiterer Risikofaktor betrachtet werden. Ob und in welcher Form der Sprachwandel durch den Gebrauch von Sprache in VR-Systemen beeinflüsst wird, läßt sich schwer prognostizieren.

In den VR-Systemen spielt die gesprochene Sprache eine wesentliche Rolle, da sie zur Navigation und die Befehlseingabe benutzt wird. Zur Realisierung sind ASR-Systeme notwendig. Mit ihrer Hilfe wird die Sprache in eine für das Computersystem verwertbare Datenform transformiert. Sie umfassen aber einen beschränkten Wortschatz und führen damit zur Problematik bei der Spracherkennung. Die Folge für die Wortsemantik könnte die Verschiebung von Begriffsbedeutungen durch Visualisierungen mittels ungeeigneter Metaphern nach sich ziehen.

Sehr häufig werden Icons zur Erleichterung des Umgangs mit dem System verwendet. Daher sollte die Auswahl von Icons sehr sorgfältig durchgeführt werden. Icons müssen sowohl einfach zu erfassen als auch bedeutsam in Bezug auf die Bezeichnungen sein. Mit der zunehmenden Verwendung und der steigenden Komplexität der VR-Systemen fürcht man, daß die ikonische Darstellung zukünftig abstrakter werden und damit nicht in enger Relation zum Bezeichneten stehen könnte.